Die folgenden Informationen habe ich im wesentlichen der unten genannten Literatur entnommen, zum Teil stammen sie auch aus meinem Schriftverkehr mit einem Niederländer, der sich für die Rittersitze im Emsland interessierte:


1000jährige Linde in Heede
Burgplatz der Scharpenburg

Die Rittersitze des Emslandes
1962
von Rudolf vom Bruch
Herstellung: Aschendorff, Münster, Westfalen

Beiträge zur Heeder Ortsgeschichte
Heede 1978
von Hermann Abels
Heimat- und Verkehrsverein Heede

Erich II. von Sachsen-Lauenburg (* 1472; 20. Oktober 1522) war 1502/1503 Bischof von Hildesheim und 1508 bis 1522 Bischof von Münster. Am 24. Februar 1508 wählte das münstersche Domkapitel Erich II. zum Bischof von Münster. Als Erich nach Münster ging, folgten ihm die Brüder Hans und Ludger von Scharpenberg aus Niendorf a.d. Stecknitz. Ludger wurde 1510 Drost zu Cloppenburg, Hans wurde Drost des Emslandes.
(Die Funktion eines Drosten ist in etwa mit dem Amtmann, Amtshauptmann, Regierungspräsidenten oder Landrat vergleichbar.)

Hans war in erster Ehe mit Heilke von Brae zu Campe vermählt gewesen, wodurch ihm ein Burglehen der Stiftsburg Nienhaus zugefallen war, mit dem er 1524 belehnt wurde und das sich auf seine Nachkommen vererbte. Im Jahre 1529 wird er als Drost zu Delmenhorst bezeichnet, als ihn der Abt des Stiftes Wildeshausen mit einem Burgmannshof in Haselünne und dem dazugehörenden Tyverdings Erbe belehnte. Sein Gut Heede erhielt in der Folgezeit nach der es besitzenden Familie den Namen Scharpenburg, obwohl es in den Lehnbriefen stets nur unter der alten Bezeichnung Rittersitz Heede aufgeführt wird.

Hans von Scharpenberg war 1537 nicht mehr am Leben. Ihm folgte im Besitz sein Sohn Joachim, der in diesem Jahr mit der Scharpenburg und dem Nienhauser Burglehn belehnt wurde. In einer Erbteilung vom 03. Mai 1546 trat er seine Güter an seinen mit Anna von Voß zu Quakenbrück verheirateten Bruder Hans ab, der 1557 als Hauptmann bezeichnet wird. Hans starb im Jahre 1561 während des Osnabrücker Lehntages und wurde beerbt von seinem Sohn Vollhardt. Nach Vollhardts Tode folgte ihm zunächst sein ältester Sohn Hans Vollhardt, der 1602 mit dem Gut belehnt wurde. Er trat jedoch bald darauf die Scharpenburg mit den beiden Burgmannslehen seinem Bruder Engelbert ab, der 1613 damit belehnt wurde. Er behielt für sich die im Münsterland gelegenen Besitzungen und zog auf das alte Stammgut seiner Familie in Niendorf a.d. Stegnitz. Hier hatte er 1581 die dortige Kapelle so reichlich dotiert, dass sie zur Kirchspielskirche erhoben werden konnte. Sein Sohn, der ebenfalls Hans Vollhardt hieß, ließ in ihr am 23. April 1614 für sich und seine Gattin Katharina von Ascheberg ein noch heute erhaltenes auf Holz gemaltes Epitaph anbringen.

Engelbert vermählte sich mit Tetta von Plettenberg zu Osterwedde. Er hatte sehr unter den Drangsalen des 30jährigen Krieges zu leiden, da das Dorf Heede an der alten linksemsischen Verkehrsstraße von Ostfriesland nach Westfalen gelegen ist, die von allen kriegführenden Parteien gegangen wurde. Bei Engelberts Tod um 1655 war dadurch Scharpenburg mit einer Schuldenlast beschwert, die noch seinen Nachfolgern viele Sorgen bereitete.

Engelbert hinterließ 2 Töchter, von denen die ältere Anna Almoed Erbin des Gutes wurde. Sie hatte sich am 2. Dezember 1642 mit dem Obristwachtmeister Hermann Friedrich von Pinninck vermählt, der aus einer holländischen Adeslfamilie stammte. Ihre Nachkommen nahmen den Namen v. Pinninck v. Scharpenburg an.

In den folgenden Jahrhunderten, die durch verschiedene Heiraten, verbunden z.T. auch mit Namenserweiterungen gekennzeichnet waren, wurde das Gut in viele Besitzanteile zersplitter. Die Fideikommißeigenschaft des Gutes wurde am 18. August 1938 gelöscht. Die Größe des Gutes, das seit über 150 Jahren in Kleinpachtungen ausgetan ist, betrug zuletzt 121 ha. Am 13. Juni 1956 verkaufte die Erbengemeinschaft 115 ha des Gutes Scharpenburg an die Hannoversche Landgesellschaft und behielt lediglich eine Fläche von 5,19 ha einschließlich des ehemaligen Burgplatzes mit der uralten Linde, die mit ihrem Stammumfang von 13,5 m und ihrem Stamm, der sich in 4 m Höhe in 16 baumstarke Äste teilt, von alten Zeiten erzählt.


Wollrath Nagell
v. Scharffenberg

Im Jahr 1973 wurde in der alten Kirche zu Heede die Grabplatte von Wollrath Nagell von Scharpenborg (1616-1645) wieder entdeckt. Sie trägt die Inschrift:

Anno 1616 ist der wohl Edelgeborene Gestreng undt [...]ft Wollrath Nagell von Scharffenberg, Erbgesessen zur Scharpenborgh undt Borchmann zu Haselünne, auf dieser Welt gebohrn undt Ano 1645 ahm 3. [...] in de Heren entschlaffen, Deszen Seele Gott gnedich sey

Links und rechts finden wir die Ahnenwappen der Familien. Links (Vaterseite) Scharpenborg, Langen, Vosz, Klae, Kluber, Stafhors(t), Ritzerow, Vrese und rechts (Mutterseite) Plettenberg, Manninga, Nagel, Oldersum, Torck, Vrese, von Brae, Ewshum.